Commerzbank Rohstoffradar Oktober 2022

Rohstoffradar im Überblick

Quelle: Bloomberg

Metallpreise im Bann von Nachfragesorgen und Angebotsausfällen

Gute Aussichten für die Nachfrage, steigende Energiepreise und die Angst vor Produktionsausfällen beim weltweit zweitgrößten Anbieter Russland – dieser Dreiklang hatte den Aluminiumpreis Anfang März erstmals über 4.000 US-Dollar je Tonne katapultiert.

Doch dann kippte die Stimmung: Die zunehmenden Konjunktursorgen bei gleichzeitig von Rekord zu Rekord eilender Produktion in China machten den Aluminiumpreis zum großen „Verlierer“ unter den Industriemetallen. Die Talfahrt legte eine Pause ein, als in China die Aluminiumproduktion in der Region Sichuan aufgrund von Hitzewellen und entsprechend niedrigen Wasserpegeln heruntergefahren werden musste. Hinzu kam die Schließung weiterer Produktionskapazitäten in den Industrieländern wegen der hohen Energiepreise. Während sich dieser Trend in Westeuropa wohl fortsetzen wird, dürfte es sich bei den Schließungen in China nur um ein temporäres Phänomen handeln. Die konjunkturbedingte Verlangsamung der Nachfrage dürfte daher für eine gewisse Zeit deutlich schwerer wiegen und den Aluminiumpreis belasten. Hohe Energiekosten in Europa fordern nichtsdestotrotz ihren Tribut: Aufgrund der nicht abebbenden Meldungen über Produktionskürzungen in Aluminiumhütten dürften die europäischen Prämien hoch bleiben. Für 2023 ist mit einer deutlichen Erholung der Aluminiumpreise zu rechnen. Dies zeigt die Preisentwicklung in der Wirtschafts- und Finanzkrise: Die Preiserholung setzte im Februar 2009 ein; gut ein Jahr später hatten sich die Preise schon wieder verdoppelt.

Aluminiumpreis in USD je Tonne

Auch am Nickelmarkt droht kurzfristig weiterer Gegenwind von der Konjunkturseite, insbesondere aus China, dem weltgrößten Verbraucher von Nickel. Die International Nickel Study Group (INSG) hatte noch im Frühjahr ein Angebotsdefizit für dieses Jahr prognostiziert, nicht zuletzt aufgrund einer steigenden Nachfrage. Die INSG berichtete nun jedoch, dass der globale Nickelmarkt im ersten Halbjahr einen Angebotsüberschuss von knapp 31 Tsd. Tonnen aufwies. Im Vorjahr ergab sich zu diesem Zeitpunkt noch ein Angebotsdefizit von 125,5 Tsd. Tonnen. Die schwächere Nachfrage aus China dürfte ein wichtiger Grund für die Trendumkehr sein. Gleichzeitig steigt die Produktion in Indonesien, dem Land mit den größten Nickelvorkommen nach Australien. Allerdings plant die Regierung in Indonesien eine Exportsteuer auf Nickelroheisen (NPI) und Ferronickel einzuführen, um die heimische Herstellung von Elektroauto-Batterien zu unterstützen. Dies würde das Angebot an NPI und Ferronickel am Weltmarkt verknappen. Kurzfristig könnten die Konjunktursorgen mit Blick auf China sowie eine gute Versorgung des Nickelmarktes den Preis belasten. Im kommenden Jahr sehen wir im Zuge der globalen Konjunkturerholung Potenzial für höhere Nickelpreise.

Nickelpreis in USD je Tonne

Der Kupferpreis wurde durch ein knappes Angebot unterstützt. Laut International Copper Study Group (ICSG) belief sich das weltweite Angebotsdefizit in den ersten sieben Monaten saisonbereinigt auf 175 Tsd. Tonnen. Dabei sind sowohl Angebot als auch Nachfrage von raffiniertem Kupfer gestiegen. Es spricht allerdings einiges dafür, dass sich der Trend in beiden Fällen kurzfristig abschwächen wird. Einige der größten Kupferproduzenten haben bereits ihre Produktionsprojektionen für dieses Jahr gesenkt. Gleichzeitig bestehen erhebliche Risiken auf der Nachfrageseite, die stärker wiegen dürften als die sich abzeichnende geringere Produktion. Im Juli war das Angebotsdefizit mit 30 Tsd. Tonnen auch bereits deutlich kleiner als im Juni; saisonbereinigt war der Markt sogar ausgeglichen. Deshalb sehen wir den Kupferpreis kurzfristig eher nach unten orientiert. Spätestens nächstes Jahr rechnen wir auch für den Kupferpreis mit Rückenwind vonseiten einer globalen Konjunkturerholung.

Kupferpreis in USD je Tonne

Quelle: Commerzbank Research 04.10.2022

Jahreshöchst- und tiefstpreise im Überblick

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.874,04
1.484,34
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
1,47
0,84
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.898,54
1.422,35
Kaffee je Pfund Höchst
Tiefst
2,40
1,65
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
1.057,57
817,47
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.221,74
1.873,92
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
24,13
17,90
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
379,00
219,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
438,25
253,25
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,19
0,15
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
3.548,87
2.183,52
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
1.312,38
523,29
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
2.267,96
1.807,32
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
98,01
54,92
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
152,53
75,85
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
117,15
60,82
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
9.794,98
7.083,78
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
1.283,23
530,24
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
44.322,76
15.426,89
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
1.407,72
548,23
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
4.226,61
2.561,31
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
420,18
98,22
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
44.654,12
20.872,57
Strom je MWh Höchst
Tiefst
674,75
140,92

Quelle: Bloomberg, Periode: 27.09.2021 - 28.09.2022

Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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